Zwangsheirat

Ein Artikel zum Thema Zwangsheirat

  1. peter
    Grundsätzliches

    Lange bestand in Deutschland kein Strafbestand für die Zwangsheirat. Es waren eher die Begleitumstände einer solchen Heirat, die bestraft werden konnten, unter anderem Körperverletzungen und auch Vergewaltigungen. Erst durch das engagierte Auftreten von Frauenrechtsorganisationen wie beispielsweise Terre des Femmes wurde das Thema auch in den Medien thematisiert und wird mittlerweile als gesamtgesellschaftliches Problem wahrgenommen. Die türkische Autorin Necla Kelek[1], die mit ihrem Buch Die fremde Braut bekannt wurde, beschreibt in ihrem Buch, was sie in Bezug auf die multikulurelle Gesellschaft über das Thema Zwangsheirat denkt:
    "Kritik an fremden Kulturen ist politisch nicht korrekt. Denn jede Kultur wird "an sich" als Bereicherung erachtet. Auch wenn sie barbarische Praktiken gutheißt, wie Zwangsheirat oder Ehrenmorde. Für mich endet diese Seligkeit, wo Menschenrechte missachtet werden."

    Die Zwangsheirat verstößt gegen das Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen. Diese sprechen bei dem Begriff Zwangsverheiratung von der "modernen Form der Sklaverei". In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 findet man im Artikel 16 folgenden Satz:
    Die Ehe darf nur aufgrund der freien und vollen Willensbildung der zukünftigen Ehegatten geschlossen werden.
    Im Februar 2005 besserte sich die Rechtslage und die Zwangsheirat gilt seitdem als ein besonders schwerer Fall der Nötigung (§240 Abs. 4 Satz 2 Nr. 1 StGB) und wird dementsprechend auch bestraft, teilweise mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren. Viele Mädchen und Frauen trauen sich allerdings gar nicht, überhaupt vor Gericht zu gehen, daher können auch keine genauen, aussagekräftigen Statistiken zu Opfern der Zwangsverheiratung aufgestellt werden, die Dunkelziffer ist zu hoch. Außerdem fehlen umfassende Daten zur Zwangsverheiratung, da in vielen Ländern keine Registrierungspflicht für Geburten und Ehen bestehen.
    Viele Menschen verwechseln die Zwangsheirat mit der arrangierten Heirat. Bei der arrangierten Heirat wird die Heirat von Hochzeitsvermittlern oder Familienmitgliedern zwar initiiert, allerdings findet die Verheiratung mit dem Einverständnis beider Ehepartner statt. Von einer Zwangsverheiratung spricht man, wenn mindestens einer der Ehepartner gegen seinen Willen und unter Androhung von psychischer oder physischer Gewalt verheiratet wird. Es geht dabei nicht darum, zwei Liebende miteinander zu verbinden sondern die Familien beider Parteien.

    Meist haben die Zwangsverheirateten ein Alter zwische 12 und 18 Jahren und oft wird auch versucht, das Alter gerichtlich hochzusetzen. Das ist möglich, da in bestimmten Ländern bis heute keine Registrierungspflicht für Neugeborene besteht[2].

    Die Autorin Serap Cileli fällt zum Begriff Zwangsverheiratung folgender Satz ein:
    " Zwangsverheiratung ist Vergewaltigung auf Lebenszeit."
    Es sind dabei nicht nur Frauen, die von der Zwangsheirat betroffen sind, auch Männer werden zur Ehe gezwungen. Die Umstände sind jedoch andere, da die Männer innerhalb der Ehe im Gegensatz zu den Frauen mehr Freiraum haben und viel mehr Möglichkeiten haben, sich ihren ehelichen Pflichten zu entziehen.


    Formen der Zwangsheirat

    Es bestehen in Deutschland mehrere Formen der Zwangsheirat, welche hier kurz beschrieben werden sollen:



    • Die Zwangsverheiratung unter in Deutschland lebenden Migranten und Migrantinnen
    • Die Heirat von so genannten Import-Bräuten. Bei dieser Form der Zwangsverheiratung


    werden junge Mädchen und Frauen nach Deutschland geholt, um dort verheiratet zu werden. Die Familien nutzen dabei die Möglichkeiten des Ehegattennachzugs. Die eingereisten Frauen haben in ihrem "neuen Land" kaum Möglichkeiten, selbstständig zu handeln, da sie sich mit einer völlig fremden Kultur konfrontiert sehen und meist auch keine deutschen Sprachkenntnisse vorweisen können. Dadurch sind sie schutzlos dem Mann ausgeliefert.


    • Die Verheitratung zur Erlangung eines "Einwanderungstickets": Hier wird die in Deutschland lebende Frau einem in einem anderen Land lebendem Mann versprochen. Dieser hat dadurch die Möglichkeit, in Deutschland einzureisen. Auch in diesem Fall treten die Regelungen des Ehegattennachzugs in Kraft.
    • Die Ferienheirat: Die in Deutschland lebende Frau wird dabei unter dem Vorwand in ihr Heimatleind eingeladen, dort ihren Urlaub zu verbringen. Dort angekommen wird sie schließlich verlobt und anschließend sofort verheiratet. Die dort verheirateten Frauen dürfen nun nicht mehr ausreisen. Oft fällt in diesem Zusammenhang auch der Begriff Heiratverschleppung.

    Literatur



    • Ahmet Toprak: Das schwache Geschlecht - Die türkischen Männer. Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Doppelmoral der Ehre. Lambertus Verlag, Freiburg im Breisgau 2005, ISBN 3-7841-1609-4
    • Necla Kelek: Die fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland.
    • Christine Schirrmacher und Ursula Spuler-Stegemann: Frauen und die Scharia. Die Menschenrechte im Islam. Hugendubel, Kreuzlingen 2004, ISBN 3-7205-2527-9
    • Serap Çileli: Wir sind eure Töchter nicht eure Ehre. Neuthor, Michelstadt 1999, ISBN 3-88758-081-8
    • Hanife Gashi: Mein Schmerz trägt Deinen Namen. Ein Ehrenmord in Deutschland. Rowohlt Berlin Verlag, Reinbek, 2005, ISBN 3-499-62088-X
    • Hülya Ateş und Fabian Fatih Goldbach: Verstoß = Liebe. Tagebuch einer türkisch-deutschen Liebesbeziehung. BoD, Norderstedt 2002, ISBN 3-8311-3603-3
    • Fatma Bläser|Fatma B.: Hennamond. Hammer, Wuppertal 2001, ISBN 3-87294-815-6
    • World Vision (Hg.): Gleiche Rechte für Mädchen (pdf) - Flyer u.a. zu Frühverheiratung und Genitalverstümmelung
    • Seyran Ates: Der Multikulti-Irrtum. Ullstein Buchverlage GmbH 2009, ISBN 978-3548372358